Ein Leserbrief von Joachim Strobel
Die neue Holzhackschnitzel-Heizzentrale wird als „Vorzeigeprojekt“ der Diepholzer Wärmewende gefeiert. Ich hingegen halte sie für das Gegenteil: Eine Schande für Diepholz.
Besonders ärgerlich ist die Behauptung, Holz sei praktisch CO₂-neutral, da bei der Verbrennung nur das CO₂ freigesetzt wird, das der Baum zuvor aufgenommen hat. Dabei wird jedoch ein entscheidender Faktor unterschlagen: die Zeit.
Der Kohlenstoff, den ein Baum über Jahrzehnte gebunden hat, wird innerhalb kurzer Zeit wieder freigesetzt. Dieses CO₂ erwärmt die Atmosphäre sofort. Erst nach Jahrzehnten kann nachwachsender Wald es wieder aufnehmen – wenn er Borkenkäfer, Sturm und Feuer übersteht. Für das Klima ist es eben nicht egal, ob CO₂ heute oder erst in 30, 50 oder 80 Jahren wieder gebunden wird.
Auch das Argument des Restholzes trägt nicht. In Deutschland werden jährlich rund 60 Millionen Kubikmeter Holz energetisch genutzt. Nur etwa 6,5 Millionen Kubikmeter davon sind Waldrestholz. Die Vorstellung, eine breite Wärmewende ließe sich mit herumliegendem Holz betreiben, ist unrealistisch. Umso wichtiger wäre eine klare Auskunft zur Herkunft des Brennstoffs. Die Angabe „gesiebtes und entrindetes Mischholz aus der direkten Umgebung” sagt jedoch nicht aus, ob überwiegend Restholz oder regulär geerntetes Holz verbrannt wird.
Hinzu kommen die Verluste des Wärmenetzes. Selbst bei optimistischen 15 Prozent muss mehr Holz verbrannt werden, als beim Kunden als Wärme ankommt. Bei bestehenden Netzen weisen die Stadtwerke selbst mindestens etwa doppelt so hohe Verluste aus.
Eine Alternative ist die dezentrale Wärmepumpe. Im Gegensatz zu Verbrennungsanlagen macht die Größe eine Wärmepumpe nicht effizienter. Auch hohe Vorlauftemperaturen, wie sie ältere Gebäude benötigen, sprechen nicht für ein heißes Wärmenetz, da sie die Effizienz verschlechtern. Dezentrale Wärmepumpen vermeiden genau diese Verluste und können auch in älteren, wenig sanierten Gebäuden effizient arbeiten. Der Strommix ist bereits heute überwiegend erneuerbar und wird kontinuierlich sauberer. Dadurch wird eine heute installierte Wärmepumpe während ihrer Lebensdauer automatisch klimafreundlicher. Eine Holzheizung bleibt eine Verbrennungsanlage.
Auch Wasserstoff ist keine überzeugende Perspektive. Für dieselbe Heizwärme benötigt grüner Wasserstoff vier- bis fünfmal so viel erneuerbaren Strom wie eine Luft-Wärmepumpe.
Es geht schließlich um Marktstrukturen: Wer eine eigene Wärmepumpe betreibt, kann seinen Stromlieferanten frei wählen – mittlerweile kann das sogar der Nachbar sein. Wer hingegen am Nahwärmenetz hängt, bleibt langfristig an den örtlichen Netzbetreiber gebunden. Ein Wärmenetz stärkt somit zwangsläufig die Marktstellung der Stadtwerke.