Antrag Make Lab

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
liebe Ratsmitglieder,
und auch schön, dass heute so viele junge Menschen hier sind.

Unsere Innenstädte verändern sich gerade massiv.
Geschäfte verschwinden, Gebäude stehen leer und vieles verlagert sich ins Internet. Gleichzeitig erleben wir, dass jungen Menschen immer weniger Räume bleiben, in denen sie einfach sein, sich ausprobieren oder gemeinsam etwas entwickeln können.

Und ehrlich gesagt sieht man Jugendliche im Stadtbild oft kaum noch. Nicht, weil sie kein Interesse hätten — sondern weil es immer weniger Orte gibt, die wirklich für sie gedacht sind.

Darüber sollten wir heute sprechen.

Denn vielleicht müssen wir anfangen, Innenstadt nicht nur über Einzelhandel zu definieren. Vielleicht braucht es zusätzlich Orte, die Menschen zusammenbringen. Orte, an denen nicht konsumiert werden muss, um dazugehören zu dürfen.

Mit unserem Antrag möchten wir deshalb prüfen lassen, ob in Diepholz ein sogenanntes „Make-Lab“ entstehen könnte.

Die Idee dahinter ist ein offener Ort mit unterschiedlich nutzbaren Räumen — zum Beispiel für kreative Projekte, digitale Technik, Bandraum, gemeinsames Arbeiten oder kleinere Ausstellungen. Also ein Ort, der sich flexibel entwickeln kann und von den Menschen genutzt wird, die ihn am Ende auch mit Leben füllen.

Aber eigentlich geht es um etwas Größeres.

Wir leben in einer Zeit, in der Technik uns immer mehr Gestaltung abnimmt, vieles automatisiert wird und Inhalte jederzeit konsumierbar sind. Umso wichtiger werden Orte, an denen Menschen wieder selbst etwas machen. Mit den eigenen Händen. Mit eigenen Ideen. Gemeinsam mit anderen.

Und genau deshalb ist das aus unserer Sicht auch kein klassisches „Jugendprojekt“.

Es geht um Begegnung. Um Teilhabe. Um Kreativität. Um Sichtbarkeit. Und auch um die Frage, wie Innenstädte in Zukunft überhaupt wieder lebendig bleiben können.

Denn vielleicht müssen wir den Gedanken auch einmal umdrehen:
Nicht erst mehr Geschäfte bringen Leben in die Innenstadt — sondern vielleicht sorgt erstmal wieder mehr Leben dafür, dass sich neue Geschäfte überhaupt wieder lohnen.

Deshalb möchten wir die Verwaltung bitten zu prüfen, welche Standorte dafür infrage kommen könnten, wie ein solches Konzept organisatorisch funktionieren würde und ob Fördermöglichkeiten oder Kooperationen möglich wären. Und ja, dabei könnte es sich naheliegend um das OLB-Gebäude oder auch Commerzbank-Gebäude handeln – das gilt es zu prüfen.

Vielleicht funktioniert am Ende nicht alles davon. Vielleicht entsteht daraus zunächst auch nur ein kleiner Anfang. Aber wir finden, dass diese Idee zumindest eine ernsthafte Prüfung verdient.

Vielen Dank.

Rede Bettina Kuhlmann, Mai 2026